Generation(s) Dance Lab
Methode
Eine Schulung für TänzerInnen ist komplex. Akademischer Tanz (meist die Ausgangsposition) birgt die Gefahr der physisch-psychischen Prägung von Kindesalter an und beruht auf kodifizierten Rollenbildern.
Um den Status quo der Körpersprache potenzieller ProtagonistInnen (TänzerInnen, SchauspielerInnen und PerformerInnen) in ihrer Komplexität zu verstehen, erfand und praktiziert Sebastian Prantl eine Vielfalt von Improvisationstechniken, u.a. die „Flashback“-Technik. Diese ist gruppendynamisch und gewährleistet innerhalb einer fixierten Struktur von Raum, Klang und Zeit die individuelle Ausformulierung unterschiedlicher Körpersprachen bei gleichzeitig genau definierter Parallelität der Aktivitäten. Die ProtagonistInnen begegnen einander in ihrer Authentizität physisch, verbal sowie psychisch. Das durch „Zufall“ entstehende Material ist Lebenserfahrung im Moment, im Jetzt. „Flashback“ bedeutet, diese Erfahrung so präzise und authentisch wie möglich als Erinnerung/Reprise wiederzubeleben und nicht zu fragmentieren oder zu verändern. Angesichts einer immer dünner scheinenden authentischen Imaginationskraft ist ein solcher Vorgang für die meisten von uns schwierig.
„Gefundenes Material“ weiter zu bearbeiten kann z.B. bedeuten, gruppendynamisch konstatierte Formulierungen in solistische Aussagen umzudeuten, oder die Einprägungen zu abstrahieren, zu raffen und selbstständig zu katalogisieren. Dieser Vorgang ist nur möglich, wenn das Material tief eingeprägt und gespeichert ist.
Virtuoses Flashback ist dann manifest, wenn kinetisch-narrative Formulierungen über längere Timecodes (30 min.) präzise gemeistert und ausgesteuert werden, mikroskopischen Veränderungen thematisiert und analysiert werden können: welche Hintergründe etwa ergaben eine Änderung im Ablauf des Materials, welche Fragmente wurden anders gereiht. Aus diesen Konfigurationen entsteht schließlich die Verflechtung einer Choreografie mit dem Hintergrund: ein Studium des Wandelbaren an sich!


